In die weite Welt hinein

Tongariro Alpine Crossing – 19,4 km gewandert!

Nachdem die Hostelhausdame uns gestern über die Gefahren eines Vulkans aufklärte und sie uns haargenau die einzelnen Etappen beschrieb, wurde mir doch ein wenig mulmig. Machen die hier nicht alle ein wenig zu viel Aufriss? Ist doch nur laufen? Die Nacht schliefen wir eher unruhig, morgens um 6.00 Uhr klingelte der Wecker und in der Küche trafen wir dann die Anderen, die sich heute an den Pfad wagten. Ein schon routinierter Wanderer war dann ganz entsetzt, dass wir nur 1.5 Liter Wasser zu zweit mitnehmen wollten- jaaa, man muss mehr trinken, schon klar, aber wer soll das denn tragen? Stephan packte dann doch 3 Liter ein und machen wir uns nichts vor: Natürlich trägt er den Rucksack 😉
Zum Frühstück gab es Baked Beans, Bruschetta (Tomaten mit Zwiebeln) und Brot. Für unterwegs packten wir uns Nudelsalat, Weintrauben und Schokolade ein. Gute Grundlage!
Mit dem Bus ging es dann los und um 7.55 Uhr morgens startete unser 19.4 Kilometer Trek! Ich war am Anfang völlig aufgekratzt, weil ich ja wusste, dass schwere Passagen vor uns lagen und ich so schlecht einschätzen konnte, wie wir zeitlich hinkommen würden. Der Pfad wird mit 6-8 Stunden angegeben, nach 8 Stunden holt uns der Bus von einem anderen Ort wieder ab.
Also auf geht’s!
Die erste Passage zu den Soda Springs führte durch Dünenlandschaft, das Wetter war sehr neblig. Irgendwann konnten wir einen Blick auf den Schicksalsberg von Mordor erhaschen, die meiste Zeit blieb er aber hinter den Wolken versteckt. Wir schafften die erste Passage in 1.15 Stunden, lagen gut in der Zeit und gönnten uns die ersten Weintrauben.
Danach ging es los zu den Devil Staircases- Teufelstreppen. Rauf, rauf, rauf immer nur rauf. Unten stand ein Schild, dass man den Pfad nur betreten soll, wenn ein Licht grün leuchtet (zeigt Vulkanaktivität an), das Wetter in Ordnung ist und man in der körperlichen Verfassung ist, weitere 16 Kilometer zu laufen. Ohjee. Irgendjemand hat dann auf das Schild gekritzelt: „You shall not pass!“. Zu Deutsch: „Du kannst nicht vorbei“- eine der besten Szenen aus Herr der Ringe, in der Gandalf dem Balrog den Weg versperrt. Großartig 🙂
Der Nebel wurde schlimmer und man konnte weniger als 30 Meter sehen. Das war für die Aussicht natürlich sehr schade und wir fragten uns, ob wir die Vulkane denn überhaupt zu Gesicht bekommen würden? Stimmung sank. Stephan lief wie eine Eins, ich wie eine Schnecke, schnaufend wie ein Walross. Puuuuh. Stephan nutzte die Zeit und quatschte mit den anderen Wanderern. Als dieses Stück endlich ein Ende hatte, war ich mehr als glücklich. Dunkel konnte ich mich aber noch daran erinnern, dass die Dame aus dem Hostel meinte, der schlimmste Abschnitt käme aber noch…. what?
Danach ging es über eine lange Ebene, wo man wieder Kräfte sammeln konnte. Der Nebel verzog sich langsam und wir konnten Blicke auf den Schicksalsberg erhaschen, der von dieser Seite noch viel beeindruckend war.
Und dann kam er: der schlimmste Abschnitt. Immer den Red Crater hoch. Nach der ersten viertel Stunde streikte ich und wir aßen erstmal ein paar Nudeln. Der Wind wehte uns durch und ohne die Bewegung wurde es schnell kalt. Also auf, immer weiter. Ich glaube, ich bin in meinem ganzen Leben noch nie so langsam einen Bergabschnitt hinaufgegangen- aber schneller ging nicht. Ich hab die ganze Zeit gedacht, dass wenn jetzt der Vulkan ausbricht, ich auch nicht schneller könnte. Oben angekommen haben ALLE ersteinmal Pause gemacht. Puh.
Aber jetzt war es geschafft! Es ging laut Karte nur noch bergrunter! Gleich der erste Abschnitt war auch der heftigste: Es war wie eine Sanddüne, ganz weicher, rutschender Sand mit jeder Menge Steine. Teilweise sanken wir mit den Füßen komplett ein. Seien wir mal ehrlich- die ersten 20 Meter war das ein Heidenspaß und als wir laut loslachten, bekamen wir nur erschrockene Blicke von den älteren Wanderern. Stephan meinte, dass wir jetzt flanieren wollen- also ging es Hand in Hand und im Gleichschritt den Berg runter. Das war auch gut so, da wir gelegentlich ins Stolpern gerieten oder Steine im Sand nicht sehen konnten. Ein Schlitten wäre nett gewesen. 😉
Unten angekommen mussten wir unsere Schuhe entsanden und mein Pflaster erneuern, was ich ja noch vom Kaikoura-Seerobbenschwimmen brauchte. Ein älterer Mann hatte sogar Desinfektionsspray dabei, dass er mir freundlicherweise anbot.
Wir waren jetzt an den Emerald Lakes angelangt, 3 Schwefelseen. Natürlich roch es auch dementsprechend und wir machten keine Pause, sondern gingen weiter. Am Blue Lake ging es dann doch nochmal ein Stückchen hoch, aber dass war kein Problem. Der Abstieg wurde dann von vielen im Weg liegenden Steinen erschwert, man musste viel aufpassen und sich einen Weg suchen.
Der vorletzte Abschnitt war dann wieder Dünenlandschaft, hier schlängelte sich der Pfad immer weiter den Berg hinab. Wir konnten eine Hütte sehen, bei der man rasten konnte, stellten aber beim Blick auf die Uhrzeit fest, dass es knapp werden könnte- von der Hütte waren es noch bis zu 2 Stunden und es war 13.30. Also auf, einen Zahn zu (und das nach 13 Kilometern wandern) und wir erreichten die Hütte 13.50. Uff, gerade einmal 10 Minuten Puffer.
Immer weiter ging es bergab, die Knie fingen an zu schmerzen und es war bei dem Gefälle teilweise schwierig, nicht in leichten Trab zu fallen. Wir konnten den Carpark schon vom weiten sehen und ich war leicht entsetzt, wie weit noch zu gehen war. Schaffen wir das?
Den letzten Abschnitt erreichten wir 65 Minuten vor Abfahrt des Buses, ein Waldstück, indem wir noch 2.4 Kilometer zu laufen hatten. Wir fragten andere Wanderer, ob das denn schaffbar sei und sie meinten alle: „Easyyyyy“. Haha, hatten wir das letzte Mal in Thailand gehört 😉
Es war dann aber alles andere als Easy, wir quälten uns durch den Wald, immer weiter, schöne Natur? Keine Ahnung, hauptsache nicht den Bus verpassen… irgendwann überholten uns dann die „Easy“ Wanderer, kein Wunder, dass das leicht sein soll, bei deren Tempo!
Naja, es ging weiter, wir trafen ein anderes Pärchen, bei dem das Mädchen auch alles andere als glücklich aussah, gemeinsam kämpften wir uns weiter und irgendwann- Autogeräusche! Oh. Mein. Gott. Wir. Haben. Es. Geschafft!!!! Völlig am Ende kamen wir an und wurden von allen begrüßt, die wir unterwegs getroffen hatten. War ein schönes Gefühl. 🙂
So schafften wir den Trek in 7:40 Stunden. Der Abend war ganz danach ausgerichtet, gegen den Muskelkater anzukämpfen und dem Körper Ruhe zu gönnen.

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